Die Champagne

Die Champagne ist eine Landschaft und historische Provinz im nordöstlichen Frankreich. Ihr historischer Hauptort ist die Stadt Troyes. Die Champagne gehört heute zum größten Teil zur politischen Region Champagne-Ardenne.


Die Champagne ist berühmt für den Champagner, der seit dem 17. Jahrhundert in der heutigen Form gekeltert wird. Weinbau gibt es hier schon seit der Römerzeit. Nur Schaumwein aus der Champagne darf dem Champagnerparagraphen entsprechend »Champagner« genannt werden. Alles andere ist Crémant, Cava, Spumante oder Sekt.

     

Geografie

Kathedrale Notre-Dame in Reims, Foto © Yann Grossel

Obwohl Champagner das international bekannteste Erzeugnis der Region ist, machen Weinberge nur einen kleinen Teil ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche aus, konzentriert an Talflanken und anderen Berghängen im Westen (Marnetal, Montagne de Reims) und Südosten. Der weitaus größte Teil ist Ackerland, welches auch namengebend war (franz. champs = Feld, von lateinisch campus).

Die Champagne grenzt im Westen an die Picardie und an die Île-de-France, im Süden an Burgund und Franche-Comté und im Osten an Lothringen.

Die wichtigsten Flüsse der Champagne entspringen in den Bergländern ihres Ostrandes und durchfließen sie etwa parallel zueinander in einem großen Bogen erst mehr nordwärts, dann mehr westwärts. Von Norden nach Süden sind dies:

  • die Aisne,
  • die Marne,
  • die Aube und
  • die Seine.

Die Champagne

Zwischen Aisne und Marne fließen parallel dazu die in der sogenannten »Trockenen Champagne«, (Champagne sèche) entspringenden Flüsse Retourne, Suippe und Vesle. Die Somme-Soude, die Tourbe und andere kleinere Flüsse fließen teilweise oder ganz quer zu dieser Hauptrichtung. 

Trotz der namengebenden Trockenheit gibt es im Südwesten der ›Champagne sèche‹ ein bedeutendes Sumpfgebiet, den Marais de Saint Gond, Quellgebiet des Petit Morin.

          

Gliederung

Le Champagne crayeuse

In der »Champagne crayeuse« (»kreidehaltige Champagne«), welche erdgeschichtlich auf Ablagerungen aus der Kreidezeit zurückgeht, herrschen kalkhaltige Böden vor, die vorwiegend zum großflächigen Getreide- und Zuckerrübenanbau genutzt werden.

Die Champagne umfasst drei verschiedene Landschaftscharaktere:

Den westlichen Teil bildet die steile Bruchlinie des Pariser Becken, »Côte de l’Île de France«, auch Montois (»das Bergige«) genannt. 

Sie besteht aus den Kalkstufen der »Montagne de Reims« nördlich der Marne und der »Côte des Blancs«, »Hang der Weißen (Weine)«, südlich der Marne am Ostrand der Brie, und deren weniger hoher aber nicht minder waldreicher Fortsetzung, dem Bassée beidseits der Täler von Aube und Seine.

Daran schließen sich jeweils halbkreisförmig die anderen Teillandschaften an: Zunächst kommt das ausgedehnte Becken der »trockenen Champagne« (Champagne sèche), auch »lausige Champagne« (Champagne pouilleuse) oder »kreidehaltige Champagne« (Champagne crayeuse) genannt. 

Sie zeichnet sich durch breitgelagerte, meist ganz von riesigen Feldern bedeckte Hügel aus, die zwar nur sehr sanft ansteigen (schiefe Ebene), aber wegen ihrer großen Ausdehnung doch Höhen von mehr als 100 m erreichen können.

Im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit waren die wasserdurch-lässigen Böden stark ausgelaugt. Nachdem dies im 19. Jahrhundert durch ökologische Maßnahmen (Aufforstung von Hügelkuppen) und verbesserte Düngung behoben wurde, zeugen nun monumentale Siloanlagen von den Erträgen der Landwirtschaft.

Im Osten schließen sich dann die »feuchte Champagne« (Champagne humide) an, in Form der regen- und waldreichen Erhebungen der Argonnen und des Plateaus von Langres. Das dazwischen gelegene Plateau von Bar gehört geologisch ebenfalls zu diesem Bogen, aber in der politischen Geschichte war das Herzogtum Bar (Barrois) ein eigenständiges Territorium.

            

Siedlung

Stadtzentrum von Troyes

Die traditionellen Bauernhäuser der Champagne, sind besonders häufig noch in der Gegend um Troyes anzutreffen, oft als Teil von Mehrseithöfen. 

Auffällig sind das typisch westeuropäische Fachwerk mit schmalen hohen Fächern (im Gegensatz zu den beinahe quadratischen des mitteleuropäischen Fachwerks) und die geringe Dachneigung.

Die wichtigsten Städte der Champagne sind Reims, Épernay, Troyes, Langres, Rethel, Vitry-le-François und Châlons-en-Champagne (früher Châlons-sur-Marne).

       

Geschichte

In der Antike war die Champagne Siedlungsgebiet der keltischen »Catalauni«. Nach der Eroberung Galliens (58-51 v. Chr.) durch Gaius Julius Caesar, wurde sie Teil der römischen Provinz Gallia Belgica. In der Niedergangszeit des römischen Reiches beendete hier in der »Schlacht auf den Katalaunischen Feldern« 451 der römische Feldherr Flavius Aëtius den Vormarsch der Hunnen unter Attila.

Überliefert sind die Taufen des ersten christlichen Frankenkönigs Chlodwig I. (496), durch den heiligen Remigius von Reims, und später Ludwigs des Frommen (816).

Neben Saint-Denis wurde Reims zum bedeutenden religiösen Zentrum Frankreichs, sämtliche französischen Könige wurden in der Kathedrale zu Reims gekrönt und gesalbt. Ebenso wurden bedeutende Frankenkönige in der beeindruckenden Kathedrale getauft.

Während des Mittelalters bildete die Champagne eine Grafschaft, deren Grafen zu den mächtigsten Fürsten Frankreichs gehörten. Die Grafschaft Champagne wurde damals aus den Grafschaften Meauy und Troyes gegründet. Durch die großen Messen wurde die Region eine der wirtschaftlich bedeutendsten ganz Europas.

Die Mühle von Valmy, Foto © Aloxe Alix Guillard

Das Wappen der Champagne, welches auch die heutige Region Champagne-Ardenne repräsentiert, entspricht dem Wappen der Grafen.

Im Ersten Weltkrieg verlief die Front zwischen den deutschen und alliierten Truppen nördlich der Linie Reims–Sainte-Menehould–Verdun durch die »Lausechampagne« (da es dort nur Ackerbau gab und keinen Weinanbau wie zwischen Reims und der Marne).

Nach dem Erstarren der Front im Herbst 1914 folgten verlustreiche Schlachten (September 1914: Marneschlacht, Februar/März 1915: Winterschlacht in der Champagne, September/Oktober 1915: Herbstschlacht in der Champagne, April 1917: Schlacht um das Massiv des Mont Cornillet, September/Oktober 1918: Alliierte Offensive), bis auf den Endkampf 1918 ohne nennenswerte Frontver-schiebungen (siehe auch Schlacht um Verdun).

Noch heute zeugen dort viele Friedhöfe und Denkmäler vom Krieg. Ein wesentlicher Teil des alten Schlachtfeldes wird heute als Truppenübungs- und Bombenabwurfplatz der französischen Armee genutzt, kann jedoch alle zwei Jahre öffentlich besichtigt werden.

            

Orte und Städte

Die wichtigsten Städte der Region Champagne sind natürlich Reims, die größte Stadt der Champagne, sowie Épernay, das eines der Hauptstädte für die Produktion von Champagner darstellt.

Des Weiteren gibt es Troyes, das direkt an der Seine liegt und einige gotische und Kirchen der Renaissance zum Bewundern bietet. Sie ist darüber hinaus der historische Hauptort der Region Champagne.

Langres ist eine Stadt, die auf dem »Plateau von Langes« liegt und schon sehr früh eine gallische Siedlung wurde. Heute kann man noch die 4 km lange Stadtmauer, die in der Stadt im Mittelalter errichtet wurde, besichtigen. Sie liegt, genau wie Vitry-le-François, am Fluss Marne.

In Vitry-le-François treffen jedoch mehrere Kanäle aufeinander, was die Stadt zu einem Zentrum für die Binnenschifffahrt im nordöstlichen Frankreich macht. Hier befindet sich auch der Lac du Der-Chantecoq (Marnestausee), der größte Stausee Frankreichs. Die Kirche Notre Dame bietet ein beeindruckendes Zeugnis der barocken Kirchenbauart.

In Chalons-en-Champagne befindet sich ein Goethe- und ein Schiller-Museum und sie ist der Zugang zum Regionalen Naturpark Montagne de Reims.

Bauernhaus in der Champagne

Rethel ist eine Stadt, die dem Departement Ardennes zugehörig ist, das nördlich von der Champagne liegt und auch noch einige Sehens-würdigkeiten bietet.

Charakteristisch für die Champagne sind die vielen Bauernhäuser, die im französischen Fachwerk-Stil errichtet und überall auf dem Land zu sehen sind. Sie bilden einen authentischen Blick auf die Region und ihre Bewohner.

           

Kulinarische Spezialitäten

Wie in allen französischen Regionen wird auch hier gut und gerne gegessen. Beliebte Gerichte sind Fischragouts und Wildgerichte, lokale Spezialitäten das »pied de cochon de Sainte-Ménéhould« (Schweinefüsschen), der »boudin blanc de Rethel« (Weisswurst), der »boudin blanc d'Hargnies« (Blutwurst). 

Andouilette de Troyes, Foto © Docteur Cosmos

Ein bekanntes Gericht ist die Andouillette de Troyes - fein gestückelte Innereien im Naturdarm - welche heiß mit körnigem Senf serviert werden.

Bekannt und lecker ist auch der »Jambon des Ardennes« (roher Schinken aus den Ardennen).

Bedeutende Käse-Produktionsstätten und entsprechende (teilweise mit dem Label AOC versehene) Sorten sind Langres, Ervy-le-Châtel (Ervy), Thiérache (Maroilles), Rocroi, weitere Sorten der Chaource und der Comté.

Leckereien sind insbesondere Backwaren wie beispielsweise der rosa Biskuit aus Reims, der zum Champagner gereicht aber auch mit verschiedenen Füllungen zur charlotte (Biskuitkuchen) verarbeitet wird.

Unter den Getränken sind neben Wein und Champagner die nach dem Essen als Digestif gereichte Vieille Fine de Marne (Weingeist) und der Vieux Marc de Champagne (Trester) hervorzuheben.