Die Straßen der Römer

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»Alle Wege führen nach Rom« – zumindest hatten alle Straßen Anschluss an die Fern- und Staatsstraßen, die nach Rom führten.

Die bekannteste römische Straße dürfte die Via Appia sein, benannt nach Appius Claudius Caecus. 312 v. Chr. wurde mit ihrem Bau begonnen, nach ihrer endgültigen Fertigstellung, 244 (oder 190) v. Chr., führte sie bis nach Brindisi, das sind 540 km bis Rom. Die Römer waren so stolz auf sie, dass sie den Titel »regina viarum« erhielt.

      

Straßen – wozu?

Ein gut ausgebautes Straßennetz war unabdingbare Voraus-setzung für die Organisation, Verwaltung und Versorgung des riesigen römischen Reiches. Der Befehl zum Bau einer Straße ging in der Regel auf staatliche Initiative zurück.

Die Ausführung lag in den Händen von Soldaten oder den anliegenden Gemeinden.

Um diese Straßen so bequem wie möglich zu gestalten, wurde das Gelände oftmals eingeebnet und begradigt. Über Täler wurden zum Teil Brücken errichtet, sogenannte Viadukte, die großartige Meisterleistungen der Ingenieurtechnik sind. War keine Brücke vorhanden, führte die Straße durch eine Furt oder ein Fährdienst wurde eingerichtet.

Wozu dienten nun die zahlreichen Straßen im römischen Reich? Römische Quellen beantworten diese Frage nicht, es bleibt unserer Fantasie und Findigkeit überlassen, die Klärung zu versuchen.

Tabula Peutingeriana

Die Straßen waren breit und solide genug, um das schnelle Fortkommen der römischen Legionen während der Eroberungs- oder der Verteidigungskriege zu ermöglichen. Die Legionäre schafften auf ihnen etwa 20 bis 25 km pro Tag.

Die Straßen hielten aber auch dem regen Warenverkehr von Ort zu Ort stand. Erhaltene Wandmalereien, Reliefs oder Mosaiken zeigen die Fortbewegungsarten der Bürger auf den Straßen.

Private Reisende bewegten sich zu Fuß über die Straßen, ihre Lasten trugen sie selbst oder ihre Maultiere. Gewerbetreibende beförderten ihre Waren mit Karren. Für die Unterbringung der Reisenden war in »mansiones« gesorgt, sie boten die gleichen Bequemlichkeiten wie später die Posthaltereien zu Zeiten der Postkutschen.

Zur Orientierung für die Reisenden gab es Reisehandbücher. In ihnen sind die öffentlichen Straßen aufgeführt, und zwar mit Ausgangspunkt und Zielort, der Gesamtlänge der Strecke sowie einer Aufgliederung in Teilstrecken mit Angaben von Orten und Stationen und der Entfernung zwischen diesen.

Die »Tabula Peutingeriana«, benannt nach Konrad Peutinger, der sie im Mittelalter kopiert hat, zeigt die Strecken in Landkartenform. Dabei handelt es sich im eine mittelalterliche Abschrift (12./13. Jahrhundert) einer  römische Straßenkarte (Reisehandbuch, siehe oben) des 4. Jahrhunderts.

Größe der »Reisekarte«: 6,82 m lang und 35 cm hoch. Unter anderem findet man darauf die Rheintalstraße, die Ausoniusstraße und die Straße Metz – Trier – Köln.

Ähnlich ist auch das »Itinerarium Antonini«, eine Sammlung von Entfernungstabellen, in der auch die Orte an der Straße aufgezeichnet sind. Es zeigt die Lage, wie sie im dritten Jahrhundert war.

               

Leugensteine

Die Orientierung für Reisende vor Ort gaben längs der Straße aufgestellte Steinsäulen (Meilensteine), die die Entfernung vom Hauptort des Gebietes, in dem man unterwegs war, angaben. Gemessen wurden die Entfernungen zumeist in römischen Meilen (ca. 1,4814 km = 1.000 römische Schritte).

Ab dem beginnenden 3. Jahrhundert wurden in Gallien und Germanien die Entfernungen auf den Distanzsäulen nur noch in »Leugen« (= 2,200 km) angegeben

Von den Meilensteinen, die die Entfernungen anzeigten, sind  hier und da noch einige erhalten. Die sog. »Leugensteine« berichten aber auch mehr oder weniger ausführlich über die Erbauer der Straßen. Aus diesen Angaben kann man heute entnehmen, wer diese Straße gebaut oder repariert hat.

Die meisten Straßen hießen nach ihrem Zielort. Manche hießen nach ihrem Erbauer, wie die »Via Appia«, andere erhielten den Namen des Kaisers, der sie erbauen oder reparieren ließ. So zum Beispiel die »Via Claudia Augusta«, die von Venetien bis zum Donauufer bei Mertingen führte.

Fertig gestellt im Norden hat sie Kaiser Claudius, von ihm erhielt sie ihren Namen. Die Namen der Straßen erschließen sich aus den Inschriften auf den Meilensteinen, die zu Zeiten der Römer in dichter Folge am Straßenrand standen.

         

Wozu dienten nun die zahlreichen Straßen im römischen Reich?

Römische Quellen beantworten diese Frage nicht, es bleibt unserer Fantasie und Findigkeit überlassen, die Klärung zu versuchen.

Die Straßen waren breit und solide genug, um das schnelle Fortkommen der römischen Legionen während der Eroberungs- oder der Verteidigungskriege zu ermöglichen. Die Legionäre schafften auf ihnen etwa 20 bis 25 km pro Tag.

Die Straßen hielten aber auch dem regen Warenverkehr von Ort zu Ort stand. Erhaltene Wandmalereien, Reliefs oder Mosaiken zeigen die Fortbewegungsarten der Bürger auf den Straßen.

Auch die »römische Post« mit Nachrichten und Waren (cursus publicus) war auf den Straßen unterwegs. Es handelte sich um eine staatliche Einrichtung, Privatleute durften sie nicht nutzen, es sei denn, sie hätten eine schriftliche Genehmigung aus Rom erlangt.

Die schnelle Beförderung von Nachrichten war sicher einer der Gründe für den Straßenbau. In Zeiten ohne unsere Nachrichtentechnik war man auf »manpower« angewiesen. In unterschiedlichen Entfernungen voneinander lagen an den Straßen die »vici«, Niederlassungen von Kaufleuten und kleinen Gewerbetreibenden. An wichtigen Stellen waren Polizeiposten stationiert.

Private Reisende bewegten sich zu Fuß über die Straßen, ihre Lasten trugen sie selbst oder ihre Maultiere.

Gewerbetreibende beförderten ihre Waren mit Karren. Für die Unterbringung der Reisenden war in »mansiones« gesorgt. Sie boten die gleichen Bequemlichkeiten wie später die Posthaltereien zu Zeiten der Postkutschen.

               

Römische Technik

Der Bau einer Römerstraße weist teilweise erstaunliche Parallelitäten mit modernen Straßen auf. Zum Bau einer Straße haben die Römer zunächst die Trasse vermessen und abgesteckt.

Ein erheblicher technischer Aufwand war erforderlich, um den Hauptstraßen Halt zu verleihen. Eine oft verwendete Standardbreite des Straßenkörpers war ca. 6 Meter (20 römische Fuß) – der Gegenverkehr von Lastfuhrwerken war damit möglich.

Waren noch etwaige Seitenstreifen für Fußgänger, Tierherden und langsamere Fuhrwerke vorhanden, konnte die Trasse der sogenannten »Standard-straße« eine Gesamtbreite von bis zu 12 m aufweisen.

Bis zu fünf Schichten, meist aber 4 Schichten, welche zusammen etwa einen Meter Höhe ausmachten, bildeten den gesamten Straßenkörper. Die oberste Schicht bestand – wenn möglich – aus Pflastersteinen.

Die Grundschicht  (statumen) war ein Steinsatz aus regional vorhandenem Material, grob geschichtet, manchmal mit Mörtel gebunden. Darüber kam eine mörtellose, quer geschichtete Steinlage oder eine mit Mörtel (cementum) gemischte Kiesschicht. Darüber kommt eine Schicht aus groben Kieseln, Steinen, gelegentlich auch Schutt (ruderatio). Darüber lag schließlich der Deckenbelag, auch »summa glarea« genannt, im Idealfall aus Pflastersteinen.

Oftmals bestand die Deckschicht als Verschleißschicht bei den Straßen nördlich der Alpen und außerhalb der Städte aus Sand und Kies. Das Material für den Straßenbau und für die Straßenausbesserung wurde häufig aus Gruben gewonnen, welche man seitlich der Trassenführung anlegte.

Natürlich war das nur die Idealvorstellung von einer Straße. Je nach den örtlichen Gegebenheiten wurde an dem einen oder anderen gespart. Wo es reichlich Steine gab, herrschten diese vor, in Rheinnähe gab es Überfluss an Kieseln. Je nach Beschaffenheit der Landschaft gab es »Einbahnstraßen«, wenn der Platz für die normale Breite nicht ausreichte.

Die Straßen wurden leicht gewölbt angelegt wegen der besseren Entwässerung. Zu beiden Seiten hatten sie Straßengräben, welche heute noch zu erkennen sind, Mal direkt neben der Straße, mal etwas weiter entfernt.

Die großen Straßen mieden bei ihrer Trassenführung enge Täler, führten wo möglich über Hochflächen. Immer wurde angestrebt, die Endpunkte auf kürzest möglichem Weg zu erreichen. Dabei wurden auch starke Steigungen in Kauf genommen. Vielfach wurden alte Straßen einbezogen.

Es ist erstaunlich, wie die Römer ohne unsere heutigen Hilfsmittel die Trassen einrichten konnten. Die Kosten müssen erheblich gewesen sein, es werden Zahlen genannt von rund 100.000 Sesterzen für eine Meile Straße. Eine Umrechnung in unsere heutige Währung ist schwierig.

Natürlich gab es, wie heutzutage auch, Straßen erster Ordnung und andere, nachrangige Straßen. Die Staatsstraßen und die Militärstraßen (viae publicae) wurden von Rom aus geplant, gebaut und bezahlt. Eine der bekanntesten ist die »Via Appia«.

Daneben gab es die Provinzialstraßen (viae vincinales) und die Privatstraßen (viae privatae), die natürlich nicht die Qualität der großen Fernstraßen hatten. Ihre Finanzierung erfolgte in den Provinzen oder durch die Privatleute, zu deren Gütern die Straßen führten. Die beiden Fernstraßen links des Rheins waren Militärstraßen.

Gebaut wurden die Straßen häufig von Soldaten, welche auch in friedlichen Zeiten besoldet werden mussten. Ebenso hat man Sklaven und Sträflinge zum Straßenbau herangezogen. 

                 

Zeitstellung

Zum Zeitpunkt des Baues der beiden großen Straßen in unserer Großregion herrschte Kaiser Augustus (27 v. Chr. – 14 n. Chr.). Seine beiden Stiefsöhne, die Brüder Tiberius und Drusus eroberten um die Zeitenwende das nördliche Voralpengebiet und den Südschwarzwald.

Augustus nahm eine Neuordnung der Gebiete vor, ein Teil der Provinz »belgica« sowie die neu eroberten Gebiete wurden zu Ober- und Niedergermanien, allerdings zunächst nur als Militärbezirke, die von »Legaten« regiert wurden.

Die beiden germanischen Gebiete wurden erst um das Jahr 90 n. Chr. zu römischen Provinzen. Die beiden Hauptstädte waren Mainz und Köln.

Die Beherrschung der neu eroberten Gebiete machte weiteren Straßenbau erforderlich.

So entstand die Straße von Mailand nach Köln. Der endgültige Ausbau der Straße erfolgte wahrscheinlich erst unter Kaiser Claudius. Ein Meilenstein mit seinem Namen wurde bei Koblenz gefunden.

Bekannt ist auch, dass Claudius die Strecke über den Großen St. Bernhard erst 47 n. Chr. fertig stellen ließ.

Augustus’ Freund und Schwiegersohn »Marcus Vipsanius Agrippa« residierte während seiner Zeit als Statthalter Roms in Gallien in Lyon (lugdunum). Von dort aus führen die vier Straßen, die Agrippa bauen ließ:

  • nach Arles mit Anbindung ans Mittelmeer,
  • nach Bordeaux, 
  • sowie nach Boulogne an den Atlantik
  • und nach Köln an den Rhein. 

Meilensteine wurden an der  Eifel-Straße nicht gefunden. Die Straße nach Köln war wichtig, weil von dort aus die Eroberung der rechtsrheinischen Gebiete starten sollte.

Konkrete Jahreszahlen zu den Straßen gibt es wenig, frühe Meilensteine sind nur wenige erhalten, das »Itinerarium Antonini« und die »Tabula Peutingeriana« stammen erst aus späteren Jahrhunderten und stellen den Zustand zu diesen Zeiten dar.

              

Pferdewechsel-, Rast- und Benefiziarier-Stationen 

Für den reibungslosen Warentransport und Reiseverkehr auf römischen Straßen sorgten regelmäßige Pferdewechsel- und Raststationen.

In den Pferdewechselstationen (mutationes), ca. alle 15 km, konnte man Zugtiere wechseln und die Fuhrwerke warten, reparieren oder sogar austauschen. Es gab Wechselstationen für den privaten Reise- und Handelsverkehr und staatliche Wechselstationen für die kaiserliche Schnellpost und den Güterverkehr.

Im Abstand einer Tagesreise (ca. 37 km) gab es Raststationen (mansiones). Hier konnte man Zimmer für die Nacht mieten, ein Bad nehmen, die Tiere versorgen und die Fuhrwerke reparieren lassen.

Bei den Raststationen befanden sich manchmal Polizeistationen, sogenannte »Benefiziarier-Stationen«. Sie waren mit Soldaten besetzt, welche jeweils für ein halbes Jahr zur Straßenwacht abkommandiert wurden.

Zu den Aufgaben der »Benefiziarier« gehörte es, Schäden an Straßen und Brücken zu melden und die Reisenden vor Überfällen zu schützen. Außerdem sollten sie den gesamten Reise- und Handelsverkehr überwachen, sowie Händler und Kaufleute zu kontrollieren, ob sie Maut oder Warenzoll bezahlt hatten.