Johann Wolfgang von Goethe - Deutschlands größter Dichter 

Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von J.K. Stieler, 1828

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung und einer der bekanntesten Dichter der Welt.

 Leben

Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gebildeter Mann, der sein Leben nach strengen Grundsätzen führte, ohne dass er einen richtigen Beruf gelernt hätte. Seine Mutter dagegen war eine frohe, heitere Frau mit viel Wärme, Fantasie und Humor. Beide Eigenschaften seiner Eltern hatte der Sohn geerbt. Goethe war ein reichbegabter Mensch und lebenslang vom Glück begünstigt.

Seine literarische Produktion umfasst Lyrik, Dramen, erzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissen-schaftliche Schriften. Daneben ist sein umfangreicher Briefwechsel von literarischer Bedeutung. Goethe war Vorbereiter und wichtigster Vertreter des Sturm und Drang.

Die Leiden des jungen Werthers, Erstdruck von 1774, Foto H.-P- Haack

Sein Roman ›Die Leiden des jungen Werthers‹ machte ihn in Europa berühmt. Gemeinsam mit Schiller, Herder und Wieland verkörpert er die Weimarer Klassik. Im Alter wurde er auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschlands angesehen.

Am Hof von Weimar bekleidete er als Freund und Minister des Herzogs Carl August politische und administrative Ämter und leitete ein Vierteljahrhundert das Hoftheater.

Im Deutschen Kaiserreich wurde er »zum Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen« und als solcher für den deutschen Nationalismus vereinnahmt. 

Es setzte damit eine Verehrung nicht nur des Werks, sondern auch der Persönlichkeit des Dichters ein, dessen Lebensführung als vorbildlich empfunden wurde. Bis heute zählen Gedichte, Dramen und Romane von ihm zu den Meisterwerken der Weltliteratur.

          

Kindheit, Jugend und Studienzeit

Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. 

Von seinen fünf Geschwistern überlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhältnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule.

Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhält der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Krönung Josephs des Zweiten im Jahr 1764.

Goethe kurz vor seiner Studienzeit in Leipzig, Ölgemälde von J.K. Kern

Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorle-sungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. 

Er beschäftigte sich außerdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklärung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit.

Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurück. Seine Genesung verzögerte sich durch einige Rückfälle bis März 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religiöser Lektüre beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg.

Goethes Wohnhaus in Straßburg, ehemals am Fischmarkt, heute Rue du Vieux Marché aux Poissons

Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Straßburg sein Jurastudium fort. Im Juni 1770 unternahm er auch von Straßburg aus seine ›Reise an Saar und Blies‹.

Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Straßburg auf. Goethe knüpfte in Straßburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. 

Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das ›Heideröslein‹, ›Mailied‹ und ›Willkommen und Abschied‹. Im August 1771 promoviert Goethe zum »Lizentiaten der Rechte«.

             

Sturm- und Drangzeit

Nach seiner Promotion in Straßburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurück. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstärkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von ›Götz von Berlichingen‹ vollenden, die Geschichte ›Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand‹.

Goethes Studentenwohnung in Leipzig

1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Außerdem arbeitet er an den ›Frankfurter Gelehrten Anzeigen‹ mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman ›Die Leiden des jungen Werthers‹ an, der ihn schlagartig berühmt machte.

Es entstanden auch einige Hymnen, darunter ›Ganymed‹, ›Prometheus‹ und ›Wanderers Sturmlied‹. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen ›Urfaust‹, ›Prometheus‹ und ›Mahomet‹. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares.

Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Brüdern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. 

Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schönemann, die aber ein halbes Jahr später wieder gelöst wird.

         

Das erste Weimarer Jahrzehnt

Stadtplan von Weimar (1884), unten links Goethes Garten

Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein.

Im November siedelt er schließlich ganz über. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansässig, die bedeutende Persönlich-keiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte.

Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivität der Stadt Weimar enorm zu. 

1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum »Geheimen Legationsrat« ernannt.

1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht über den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstärkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben.

1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Während sein Schauspiel ›Stella‹ (1776) noch vom Sturm und Drang geprägt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmählich durch.

1779 entsteht die Prosafassung von ›Iphigenie auf Tauris‹, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde.

Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der »Kriegs- und Wegebaukommission« übertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum »Geheimen Rat« ernannt.

Die Aufsicht über den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe, sich mit mineralogischen Studien zu beschäftigen.

1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht das Haus am Frauenplan.

1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe hält sich nun öfters in Karlsbad auf.

               

Italienreise und Rückkehr nach Weimar

Goethe in der Campagna, Gemälde von H.W. Tischbein (1787)

Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drückender empfundenen höfischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als »Maler Möller« aus.

Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. 

Neben der Beschäftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten ›Iphigenie‹, ›Egmont‹, ›Tasso‹ und ›Faust‹ weiter.

Bereits 1786 konnte ›Iphigenie auf Tauris‹ in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann ›Egmont‹. 

Die Solfatara von Pozzuoli, lavierte Tuschzeichnung von Goethe, 1787

Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein.

Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der höfischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung künstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das »Freie-Zeichen-Institut«.

Im Juli lernt Goethe seine zukünftige Lebensgefährtin, Christiane Vulpius, kennen. 

Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena.

1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Französischen Revolution verhält sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters.

Schlacht bei Valmy

1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preußens und Österreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792.

Das Schauspiel ›Der Groß-Koptha‹ entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. ›Der Bürgergeneral‹ und ›Reineke Fuchs‹ werden veröffentlicht. Goethe beschäftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu ›Homer‹.

             

Das Jahrzehnt mit Schiller

1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift ›Die Horen‹ gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunächst nur aus einem ständigen Briefwechsel bestand. 

Seit der Tagung der »Naturforschenden Gesellschaft« in Jena 1794 ist Schiller häufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die ›Xenien‹. 1797 erhält Goethe die Aufsicht über die Weimarer Bibliothek.

Das Jahr 1797 ging als das »Balladenjahr« in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter ›Der Gott und die Bajadere‹, ›Der Schatzgräber‹, ›Der Zauberlehrling‹, ›Die Braut von Korinth‹ und ›Legende‹.

Signatur Goethe's

Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift ›Über epische und dramatische Dichtung‹ festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am ›Faust‹ fort.

1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift »Propyläen«, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. 

Im Dezember 1799 übersiedelt Schiller nach Weimar. Er drängte Goethe zur Vollendung des ›Faust‹. 

Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte.

1803 erhält Goethe die Oberaufsicht über die naturwissenschaftlichen Institute der Universität Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Friedrich Schiller.

Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden geprägt war. Im Epilog zu Schillers ›Glocke‹ setze er ihm ein Denkmal.

             

Das Jahrzehnt nach Schillers Tod

In der Zeit nach Schiller zählten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. 

Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung ›Des Knaben Wunderhorn‹ (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschäftigen.

Im April 1806 wurde ›Faust, erster Teil‹ abgeschlossen. 

Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus.

1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der späteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an ›Wilhelm Meisters Wanderjahre‹. 1808 stirbt Goethes Mutter.

Auf dem »Erfurter Fürstenkongress« kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 

Farbenkreis zur Symbolik des menschlichen Geistes- und Seelenlebens. aquarellierte Federzeichnung von Goethe, 1809

1809 erscheinen ›Die Wahlverwandtschaften‹. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der ›Farbenlehre‹.

Der erste Teil seiner Autobiografie ›Dichtung und Wahrheit‹ erschien 1811. 

In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. ›Dichtung und Wahrheit‹, zweiter Teil, wurde fertiggestellt.

1813 verlor die Künstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. 

Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die »Völkerschlacht bei Leipzig« statt. Der dritte Teil seiner Autobiografie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Brüdern Boisserée.

               

Die letzten Lebensjahre

Dekret Napoleons vom 12.10.18808 über Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion für Goethe, Wieland, Starke und Vogel, Foto © Dr. Cueppers

1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des »Wiener Kongresses« zum Großherzogtum.

Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane.

1817 hält sich Goethe öfters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurück und wendete sich nun hauptsächlich seinen Werken zu.

1819 ist der ›West-östliche Divan‹ abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an ›Wilhelm Meisters Wanderjahren‹, die 1829 vollendet wurde.

1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am ›Faust, zweiter Teil‹ wieder auf. 

Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Großherzog Karl August.

1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiografie ›Dichtung und Wahrheit‹, vierter Teil. Im November erfährt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb.

Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird ›Faust‹, zweiter Teil, vollendet. 

Am 22. März 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fürstengruft beigesetzt.

             

Quelle: literaturwelt.com